Meine persönliche Geschichte zum Thema Selbstfürsorge. Oder: Warum ich die GFK so liebe.
Meine persönliche Geschichte zum Thema Selbstfürsorge...
Oder: Warum ich die Gewaltfreie Kommunikation so liebe.
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich vor allem gelernt habe, auf die Bedürfnisse Anderer zu achten. Wie in vielen Familien, gab es bei uns einige ungeheilte Wunden, die dazu führten, dass ich mich als kleines Kind mit meinen emotionalen Bedürfnissen oft nicht wirklich gesehen fühlte. Nicht meine Gefühle und Bedürfnisse standen im Vordergrund, sondern zumeist die Gefühle und Bedürfnisse von Teilen meiner - emotional verwundeten - Familie.
Ich reagierte auf die Stimmungen in meiner Familie, indem ich sehr feine Antennen dafür entwickelte, wie es Anderen geht. Unbewusst versuchte ich zu erspüren, was ich tun muss, damit es ihnen hoffentlich besser (oder zumindest nicht schlechter) gehen würde. Ich lernte, es Anderen recht zu machen, zu gefallen und all die Dinge zu tun, für die ich gelobt wurde.
Gesellschaftliche Strukturen und Geschlechterverhältnisse taten ihr übriges. So wurde ich ein, in vielerlei Hinsicht, braves und angepasstes Mädchen: Lieb und lächelnd, brachte ich regelmäßig ein Einser-Zeugnis nach Hause und widersetzte mich auch in der Pubertät den engen Grenzen und Regeln kaum. Natürlich gab es immer auch „die andere Katrin“ in mir, aber es schien mir unmöglich, meine wilde und rebellische Seite wirklich auszuleben.
Je stärker ich in den Anpassungs- und Funktioniermodus rutschte, desto stärker hatte ich das Gefühl, dass das Leben an mir vorbeizieht. Mit der Zeit verlernte ich, wütend zu sein und wurde stattdessen traurig. Ich hatte kaum Zugang zu meinem „Bauchgefühl“ und selbst wenn ich wusste, was ich eigentlich brauchte, erlaubte ich mir zumeist nicht, es ernst zu nehmen. Insbesondere vor Anderen traute ich mich nicht, anzusprechen, wenn mich etwas störte, - zum Beispiel in Liebesbeziehungen. Viel zu groß war meine Angst, verlassen oder verurteilt zu werden. Irgendwann verfiel ich in eine chronisch depressive Stimmung. Ich war wohl so in etwa das, was Marshall Rosenberg als „nice dead girl“* bezeichnet hat. Gleichzeitig war da immer diese ungestillte Sehnsicht nach Leben.
Meine ersten GfK Seminare waren für mich eine Offenbarung. Ich wusste nicht genau warum, aber es gab sofort dieses intuitive Wissen in mir: Das ist genau das, was ich brauche! Hier lernte ich plötzlich, mich zu spüren, in Kontakt mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen zu kommen, meine Intuition zu stärken und für mich zu sorgen. Ich lernte, liebevoll und empathisch mit mir selbst zu sein. Was für eine Revolution!
Und nicht nur das! Ich lernte, dass ich für mich einstehen kann, ohne in einen Kampf mit den Bedürfnissen des Gegenübers zu gehen. Im Gegenteil: Es war möglich, mich empathisch mit den Bedürfnissen meines Gegenübers zu verbinden und dabei gleichzeitig für meine eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Ich lernte, in eine authentische Kommunikation zu gehen, meine Verletzlichkeit zu zeigen und die Verletzlichkeit und Schönheit in Anderen zu sehen.
Nach mehrtägigen GfK Seminaren fühlte ich mich manchmal wie ein neuer Mensch: So lebendig, so wild und verletzlich und voller Power, so in Kontakt mit mir und dem Leben. Ich lernte, dass gerade das Einlassen auf meine (unangenehmen) Gefühle und Verletzlichkeiten so einen wahnsinnigen Schatz birgt: Meine Lebendigkeit! Wieviel reicher ist das Leben, wenn ich mich spüre und mich lebendig und verbunden fühle!
Natürlich ging das alles nicht ohne Holpern und Stolpern und ist auch heute noch immer ein Weg des Wachsens. Doch Stück für Stück lernte ich, immer besser für mich selbst zu sorgen und Beziehungen zu leben, in denen es Raum für die Bedürfnisse aller Beteiligten gibt.
Seitdem habe ich eine ganze Reihe von Methoden der Persönlichkeitsentwicklung ausprobiert. Doch nichts in meinem Leben hat mich so sehr empowert und in meine Kraft gebracht, wie die Gewaltfreie Kommunikation. Und das immer wieder und bis heute.
Ich bin auch so begeistert von der Gewaltfreien Kommunikation, weil sie so unglaublich reich und vielfältig ist. Sie ist ein kraftvoller Weg zur Selbstfürsorge und ein nachhaltiger Ansatz zur Förderung authentischer und verbundener Beziehungen – mit sich selbst und Anderen. Und natürlich ist sie ein super effektiver Ansatz zur Prävention und Lösung von Konflikten.
Darüber hinaus bietet die Gewaltfreie Kommunikation Orte, um tiefe Gemeinschaft und Spiritualität zu erfahren sowie um zivilgesellschaftliche und politische Aktionen nachhaltig zu gestalten. Sie lädt dazu ein, auf eine authentische Spurensuche danach zu gehen, wie und in was für einer Welt ich leben möchte, wofür ich auf der Welt bin und was ich im Leben beitragen möchte. Damit ist sie für mich auch ein Ansatz, der mich immer wieder mit der Essenz des Lebens verbindet und mein Leben sehr viel glücklicher, erfüllter und tiefer sein lässt.
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