Selbstfürsorge ist mehr als Wellness.

Was verstehe ich unter Selbstfürsorge?


Selbstfürsorge hat in vielen westlichen Kulturen einen ambivalenten Ruf.
Kaum ein Kind lernt in der Schule oder von seinen Bezugspersonen, wie es sich gut um sich selbst kümmern und liebevoll mit sich selbst sein kann. Oft lernen wir noch nicht mal so einfache Dinge, wie „mir eine Pause gönnen, wenn ich sie brauche“.

 

Landläufig wird Selbstfürsorge eher als etwas Schlechtes, ja Egoistisches angesehen. So, als würde ich mich weniger um Andere kümmern, wenn ich gut für mich selbst sorge.

Ich glaube hingegen: Selbstfürsorge ist die Voraussetzung dafür, dass ich mich nachhaltig gut um Andere kümmern kann! (Mehr dazu unter warum Selbstfürsorge für mich so essentiell ist).

Neben dieser Degradierung von in sich verankerter Selbstfürsorge gibt es derzeit die Tendenz, das Konzept von Selbstfürsorge bzw. Self Care für ein eher oberflächliches Wellness-Marketing zu hypen: Sorg für Dich selbst – mache Yoga, kaufe gesundes Müsli oder trinke einen Wohlfühltee! In diesem Zusammenhang steht Selbstfürsorge in der Kritik, ein kapitalistisches Instrument der Selbstoptimierung zu sein nun muss ich mich also auch noch Self Care machen, um mich selbst zu optimieren!


Für mich hat Selbstfürsorge weder etwas mit Wellness, noch etwas mit Selbstoptimierung zu tun. Es geht nicht um Massage, Morgen-Routinen oder Wohlfühltee, obwohl das für viele Menschen tolle Strategien sein können, um beispielsweise Bedürfnisse nach Entschleunigung, Selbstkontakt oder Fokus zu erfüllen. Allerdings sind solche Strategien total individuell. Was der einen hilft, kann sich für den anderen ganz schrecklich anfühlen.

Selbstfürsorge bedeutet deshalb bei unseren Angeboten:

Du lernst, mit Deinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen
. Zum Beispiel, Deine Erschöpfung und Dein Bedürfnis nach Erholung und Verlangsamung wirklich zu spüren und ernst zu nehmen. Oder Dein Bedürfnis nach Sinn, Klarheit, Wertschätzung oder Gemeinschaft – je nachdem, was bei Dir gerade wirklich unter Deiner Unzufriedenheit liegt. Und Du lernst, wie Du individuelle Strategien entwickeln kannst, um Deine Bedürfnisse zu erfüllen,  - Strategien, die zu Dir und Deiner aktuellen Lebenssituation passen und die auf Deine (un)erfüllten Bedürfnisse abgestimmt sind. Bei all dem lernst Du, Dir selbst empathisch zu begegnen. Denn Selbstempathie und Selbstfürsorge gehen für mich Hand in Hand.

Für unsere Seminare in Gewaltfreier Kommunikation bedeutet dies:

Wir legen – gerade zu Beginn – einen Fokus auf den Aspekt der Selbstempathie. Denn wir sind überzeugt: Erst wenn Du selbst mit Deinen Gefühlen und Bedürfnissen gesehen wurdest, kannst Du Dich im Konflikt auch auf einer tieferen Ebene für die Gefühle und Bedürfnisse Deines Gegenübers Konflikt öffnen. Diesen Perspektivwechsel nutzen wir dann im zweiten Schritt, um an der Lösung von Konflikten zu arbeiten.

 

Last but not least: Selbstfürsorge ist politisch!

Wenn Du diesen einfühlsamen Kontakt mit Dir selbst wirklich zu leben beginnst, kann Selbstfürsorge auch eine politische Dimension bekommen. Je mehr Du mit Deiner inneren Kraft verbunden bist, desto deutlicher spürst Du, wenn etwas für Dich NICHT in Ordnung ist, - sei es eine ungleiche Geschlechterverteilung bei häuslicher Care Arbeit, die vorherrschende Moral von Leistung und Arbeit oder Normvorstellungen darüber, wie Körper auszusehen haben.
Dabei gilt immer: Self Care darf Dich empowern! In meiner Vision ist Self Care eine fundamentale Kraft, die Dir hilft, aus dem Vollen zu schöpfen, in die Welt hinaus zu gehen, Dinge zu verändern und das Leben für Dich UND Andere sehr viel schöner zu machen!

 

 

„Caring for myself ist not self-indulgence, it is self-preservation, and that is an act of political warfare.“ * (Audre Lorde)
(Mich um mich selbst zu kümmern, ist kein Luxus, es ist Selbsterhaltung, und das ist ein politischer Kampfakt.)

*Audre Lord: A Burst of Light and Other Essays., Mineola, N: Dover Publications 2017, S. 130.

 

 

 

Wie die Schwarze lesbische Feminstin Audre Lorde im Epilog zu ihrem 1988 veröffentlichten Essay „A Burst of Light“ geschrieben hat: „Caring for myself ist not self-indulgence, it is self-preservation, and that is an act of political warfare.“
Audre Lord: A Burst of Light and Other Essays., Mineola, N: Dover Publications 2017, S. 130. (Mich um mich selbst zu kümmern, ist kein Luxus, es ist Selbsterhaltung, und das ist ein politischer Kampfakt.)

 

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Beyond self-care: Wir brauchen auch community care!